Reisekosten Deutschland abrechnen: ESTV-Ansätze, Belege und Lohnausweis

Leitfaden6 min LesezeitAktualisiert 29. Oktober 2026

Für Dienstreisen nach Deutschland gelten die Schweizer Ansätze nach Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis und das eigene Spesenreglement – eigene ESTV-Ansätze für Deutschland gibt es nicht. Deutsche MwSt ist nicht als Schweizer Vorsteuer abzugsfähig, kann aber beim deutschen Bundeszentralamt für Steuern zurückgefordert werden. Gerade für Schweizer KMU mit regelmässigen Geschäftsreisen ins grenznahe Deutschland ist die korrekte Abrechnung zentral: Fehler bei der Währungsumrechnung, fehlende Belege oder eine falsche Deklaration im Lohnausweis können zu Aufrechnungen durch die Steuerbehörden und Nachforderungen bei der Sozialversicherung führen.

Die wichtigsten Infos auf einen Blick
1.Die ESTV publiziert keine Ansätze für Deutschland: Die Werte nach Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis (z. B. Pauschale bis CHF 30 pro Hauptmahlzeit, Übernachtung gegen Beleg) gelten für In- und Auslandsreisen gleich.
2.Deutsche Mehrwertsteuer (7 % oder 19 %) kann nicht als Schweizer Vorsteuer abgezogen werden, jedoch ist eine Erstattung im Vergütungsverfahren beim BZSt möglich.
3.Welcher Kurs für die Umrechnung gilt, legt das Spesenreglement fest; verbreitet ist der ESTV-Monatsmittelkurs EUR/CHF.
4.Im Lohnausweis genügt ein Kreuz bei Ziffer 13.1.1, wenn die Vorgaben von Rz 52 eingehalten sind; Pauschalspesen für Zeitabschnitte stehen betragsmässig in Ziffer 13.2.

01.Reisekosten Deutschland abrechnen: Schritt für Schritt

Die folgende Anleitung führt Sie durch den gesamten Prozess – von der Reiseplanung über die Belegerfassung bis zur korrekten Deklaration im Lohnausweis. Halten Sie Ihr Spesenreglement und den darin festgelegten Umrechnungskurs bereit, bevor Sie beginnen.

Schritt 1: Reiseplanung vorbereiten und Spesenreglement prüfen

Klären Sie vor der Dienstreise, was Ihr Spesenreglement vorsieht. Die ESTV publiziert keine Länderansätze für Deutschland; die Werte nach Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis und das SSK-Muster-Spesenreglement gelten für In- und Auslandsreisen gleich. Einen Überblick über andere Länder bietet die Seite Auslandsspesen nach Land.

KategorieAnsatzHinweis
Mittag- oder AbendessenPauschale bis CHF 30 pro Hauptmahlzeit oder effektiv in der Regel bis CHF 35Rz 52; SSK-Muster pauschal: Mittagessen CHF 30, Abendessen CHF 35 (setzt genehmigtes Reglement voraus)
FrühstückSSK-Muster: CHF 15Bei Abreise vor 07.30 Uhr oder nach auswärtiger Übernachtung, wenn nicht im Hotelpreis inbegriffen
ÜbernachtungEffektiv gegen BelegSSK-Muster: Hotel der Mittelklasse
KleinspesenGegen Beleg oder Tagespauschale bis CHF 20Rz 52

Ansätze für Deutschland-Reisen 2026 (Rz 52 und SSK-Muster)

Die Ansätze gelten in ganz Deutschland gleich – einen offiziellen Zuschlag für München, Berlin oder Frankfurt gibt es nicht. Ob höhere Kosten in teuren Städten vergütet werden, regelt das Spesenreglement; höhere Ansätze als nach Rz 52 setzen ein vom Sitzkanton genehmigtes Reglement voraus. Im Zweifel entscheidet die kantonale Steuerverwaltung.

Wichtigste Punkte:
Eigene ESTV-Ansätze für Deutschland gibt es nicht; die Werte nach Rz 52 gelten für In- und Auslandsreisen gleich.
Die Ansätze gelten einheitlich für alle deutschen Städte ohne regionale Abstufung.
Höhere Ansätze setzen ein vom Sitzkanton genehmigtes Spesenreglement voraus.

Schritt 2: Belege sichern und deutsche MwSt-Sätze dokumentieren

Sammeln Sie alle Originalbelege während der Dienstreise. In Deutschland gelten zwei MwSt-Sätze: der reguläre Satz von 19 % und der ermässigte Satz von 7 %. Je nach Ausgabenart fällt ein anderer Satz an. Wichtig: Die deutsche Mehrwertsteuer ist nicht als Schweizer Vorsteuer abzugsfähig. Sie können die Belege dennoch nicht wegwerfen – sie dienen als Nachweis für die geschäftliche Veranlassung und sind Grundlage für ein allfälliges Vergütungsverfahren beim BZSt.

AusgabenartDeutscher MwSt-SatzTypischer Beleg
Hotelübernachtung7 %Hotelrechnung mit MwSt-Ausweis
Restaurant / Verpflegung19 %Restaurantbeleg mit MwSt-Ausweis
Bahnticket (Fernverkehr)19 %DB-Ticket oder Online-Buchungsbestätigung
Taxi7 %Taxiquittung
Mietwagen / Benzin19 %Mietvertrag / Tankquittung

Deutsche MwSt-Sätze nach Ausgabenart

Fotografieren Sie jeden Beleg unmittelbar nach Erhalt. Thermobelege aus Restaurants und Taxis verblassen schnell. Achten Sie darauf, dass auf jedem Beleg Datum, Betrag, MwSt-Satz und Leistungsbeschreibung erkennbar sind.

Wichtigste Punkte:
Deutsche MwSt (7 % oder 19 %) ist nicht als Schweizer Vorsteuer abzugsfähig.
Belege sofort fotografieren – Thermobelege verblassen innert Wochen.
Jeder Beleg muss Datum, Betrag, MwSt-Satz und Leistungsbeschreibung enthalten.

Schritt 3: Währungsumrechnung zum festgelegten Kurs vornehmen

Alle Auslagen in Euro müssen für die Spesenabrechnung in Schweizer Franken umgerechnet werden. Welcher Kurs gilt, legt das Spesenreglement fest. Verbreitet ist der ESTV-Monatsmittelkurs EUR/CHF: das Mittel der Tageskurse vom 25. eines Monats bis 24. des Folgemonats, gültig für den ganzen darauffolgenden Monat. Bei Kartenzahlung entspricht die Erstattung in der Regel dem belasteten CHF-Betrag. Mehr dazu unter Tages- und Monatskurs der ESTV.

  • Kursquelle: ESTV-Monatsmittelkurse auf estv.admin.ch unter Fachinformationen, Währungskurse.
  • Stichtag: Massgebend ist der Kurs, der für den Monat der Ausgabe gilt – sofern das Reglement nichts anderes festlegt.
  • Kursbeleg: Drucken Sie den verwendeten Monatsmittelkurs aus oder speichern Sie ihn als PDF. Dieser Beleg gehört zur Spesenabrechnung.
  • Kreditkartenabrechnung: Bei Kartenzahlung entspricht die Erstattung in der Regel dem belasteten CHF-Betrag; die Kartenabrechnung dient dann als Nachweis.
Wichtigste Punkte:
Verwenden Sie den im Spesenreglement festgelegten Kurs, zum Beispiel den ESTV-Monatsmittelkurs EUR/CHF.
Bei Kartenzahlung wird in der Regel der belastete CHF-Betrag erstattet.
Den verwendeten Kursbeleg als PDF oder Ausdruck der Abrechnung beilegen.

Schritt 4: Spesenabrechnung erstellen und im Lohnausweis deklarieren

Erstellen Sie die Spesenabrechnung mit allen umgerechneten Beträgen und den zugehörigen Belegen. Die Deklaration im Lohnausweis hängt davon ab, ob Ihr Unternehmen mit Pauschalen oder effektiven Spesen arbeitet. Gemäss Art. 327a OR ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer alle durch die Ausführung der Arbeit notwendig entstehenden Auslagen zu ersetzen.

SpesenartLohnausweis-ZifferVorgehen
Effektive Spesen und Einzelfallpauschalen im Rahmen von Rz 52Ziffer 13.1.1Kreuz setzen; keine Betragsangabe nötig
Reise-, Verpflegungs- und Übernachtungsspesen ausserhalb von Rz 52 ohne genehmigtes ReglementZiffer 13.1.1Effektiv vergütete Spesen betragsmässig angeben (Rz 53)
Pauschalspesen für Zeitabschnitte (z. B. monatlich)Ziffer 13.2Immer betragsmässig angeben, auch mit genehmigtem Reglement

Deklaration im Lohnausweis

Prüfen Sie zusätzlich, ob das Vergütungsverfahren für die bezahlte deutsche Mehrwertsteuer in Frage kommt. Schweizer Unternehmen können unter bestimmten Voraussetzungen die deutsche MwSt über das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) in Bonn zurückfordern. Der Antrag muss bis spätestens 30. Juni des Folgejahres elektronisch eingereicht werden. Voraussetzung ist, dass das Schweizer Unternehmen in Deutschland keine steuerbaren Umsätze erzielt.

Wichtigste Punkte:
Spesen im Rahmen von Rz 52 werden im Lohnausweis mit einem Kreuz bei Ziffer 13.1.1 deklariert; Pauschalspesen für Zeitabschnitte betragsmässig in Ziffer 13.2.
Art. 327a OR verpflichtet den Arbeitgeber zur Erstattung notwendiger Auslagen.
Deutsche MwSt kann im Vergütungsverfahren beim BZSt bis 30. Juni des Folgejahres zurückgefordert werden.
#AufgabeVerantwortlich
1Spesenreglement und Ansätze nach Rz 52 prüfen und Reise planenMitarbeitende / Vorgesetzte
2Belege sammeln, fotografieren und MwSt dokumentierenMitarbeitende
3Währungsumrechnung zum im Reglement festgelegten Kurs durchführenMitarbeitende / Buchhaltung
4Spesenabrechnung erstellen und Lohnausweis korrekt deklarierenBuchhaltung / HR

Prozessübersicht

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02.Häufige Fehler

Fehler 1: Deutsche MwSt als Schweizer Vorsteuer abgezogen

Die deutsche Mehrwertsteuer darf nicht als Vorsteuer in der Schweizer MwSt-Abrechnung geltend gemacht werden. Wer dies trotzdem tut, riskiert eine Nachforderung durch die ESTV inklusive Verzugszins. Prüfen Sie stattdessen das Vergütungsverfahren beim deutschen BZSt.

Fehler 2: Kein einheitlicher Umrechnungskurs

Rechnen Mitarbeitende mit unterschiedlichen Kursen um, ist die Abrechnung schwer nachvollziehbar. Legen Sie im Spesenreglement fest, welcher Kurs gilt – etwa der ESTV-Monatsmittelkurs oder bei Kartenzahlung der belastete CHF-Betrag – und wenden Sie ihn konsequent an.

Fehler 3: Belege fehlen oder sind unleserlich

Thermobelege aus Restaurants und Taxis verblassen oft innert weniger Wochen. Ohne lesbaren Beleg kann die Steuerbehörde die Spese als geldwerten Vorteil aufrechnnen. Fotografieren Sie jeden Beleg sofort nach Erhalt.

Fehler 4: Lohnausweis-Ziffern 13.1.1 und 13.2 verwechselt

Spesen im Rahmen von Rz 52 gehören mit einem Kreuz in Ziffer 13.1.1, Pauschalspesen für Zeitabschnitte betragsmässig in Ziffer 13.2. Eine Verwechslung führt zu Rückfragen der kantonalen Steuerverwaltung.

Fehler 5: Frist für die MwSt-Vergütung verpasst

Der Antrag auf Erstattung der deutschen MwSt muss bis spätestens 30. Juni des Folgejahres beim BZSt eingereicht werden. Nach Ablauf dieser Frist verfällt der Anspruch. Tragen Sie die Frist frühzeitig in Ihren Kalender ein.

03.Häufige Fragen

Gibt es eigene ESTV-Ansätze für Deutschland oder für München, Berlin und Frankfurt?

Nein. Die ESTV publiziert weder Länder- noch Städteansätze. Die Werte nach Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis gelten für In- und Auslandsreisen gleich. Ob höhere Kosten in teuren Städten vergütet werden, regelt das Spesenreglement – bei Bedarf in Absprache mit der kantonalen Steuerverwaltung.

Kann ich die deutsche Mehrwertsteuer in der Schweizer MwSt-Abrechnung als Vorsteuer abziehen?

Nein, das ist nicht zulässig. Die deutsche MwSt ist eine ausländische Steuer und kann nicht als Schweizer Vorsteuer geltend gemacht werden. Schweizer Unternehmen können die bezahlte MwSt jedoch im Vergütungsverfahren für Drittlandsunternehmer beim deutschen Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zurückfordern.

Welchen Wechselkurs muss ich für die Umrechnung von Euro in Franken verwenden?

Das legt Ihr Spesenreglement fest. Verbreitet ist der ESTV-Monatsmittelkurs EUR/CHF, den die ESTV monatlich publiziert. Bei Kartenzahlung entspricht die Erstattung in der Regel dem belasteten CHF-Betrag.

Muss ich bei Pauschalen trotzdem Belege aufbewahren?

Bei Einzelfallpauschalen nach Rz 52 oder gemäss genehmigtem Spesenreglement müssen keine Einzelbelege eingereicht werden. Die Belege sollten dennoch aufbewahrt werden, da die Steuerbehörde bei einer Prüfung die geschäftliche Veranlassung der Reise nachweisen lassen kann. Zudem sind Belege Voraussetzung für die Vergütung der deutschen MwSt.

Wie lange dauert die Erstattung der deutschen MwSt beim BZSt?

Die Bearbeitungsdauer beim BZSt beträgt in der Regel vier bis sechs Monate nach Einreichung des vollständigen Antrags. Der Antrag muss elektronisch über das BZSt-Online-Portal eingereicht werden. Voraussetzung ist, dass das Schweizer Unternehmen in Deutschland keine steuerbaren Umsätze erzielt.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
1.Die ESTV publiziert keine Ansätze für Deutschland: Für Schweizer Arbeitgeber gelten die Werte nach Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis und das Spesenreglement – einheitlich für alle deutschen Städte.
2.Deutsche Mehrwertsteuer (7 % auf Hotels, 19 % auf Verpflegung und Bahntickets) ist nicht als Schweizer Vorsteuer abzugsfähig.
3.Im Vergütungsverfahren beim deutschen BZSt können Schweizer Unternehmen die bezahlte deutsche MwSt zurückfordern – Frist: 30. Juni des Folgejahres.
4.Für die Währungsumrechnung gilt der im Spesenreglement festgelegte Kurs, zum Beispiel der ESTV-Monatsmittelkurs EUR/CHF.
5.Spesen im Rahmen von Rz 52 werden im Lohnausweis mit einem Kreuz bei Ziffer 13.1.1 deklariert, Pauschalspesen für Zeitabschnitte betragsmässig in Ziffer 13.2.
6.Art. 327a OR verpflichtet den Arbeitgeber, alle notwendigen Auslagen für Dienstreisen zu erstatten.
7.Belege sollten auch bei Pauschalabrechnung aufbewahrt werden – sie dienen als Nachweis der geschäftlichen Veranlassung und als Grundlage für die MwSt-Erstattung.

04.Weiterführende Artikel