Auslands-Verpflegungspauschalen für Grenzgänger: Anspruch, Heimkehr und DBA

Definition6 min LesezeitAktualisiert 29. Oktober 2026

Grenzgänger haben bei Geschäftsreisen denselben Anspruch auf Ersatz ihrer Verpflegungskosten wie Mitarbeitende mit Wohnsitz in der Schweiz. Es gelten dieselben Ansätze – gemäss Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis oder gemäss genehmigtem Spesenreglement –, unabhängig von Wohnsitz und Reiseland. Für HR-Abteilungen bleiben trotzdem Fragen: Was gilt bei Rückkehr am selben Tag? Und wie behandelt der Wohnsitzstaat die Vergütungen? Diese Seite klärt die zentralen Regeln und Sonderfälle.

Die wichtigsten Infos auf einen Blick
1.Grenzgänger haben gemäss Art. 327a OR denselben Anspruch auf Ersatz der notwendigen Auslagen wie Mitarbeitende mit Wohnsitz in der Schweiz.
2.Es gelten dieselben Ansätze wie für alle: Rz 52 der Wegleitung oder das genehmigte Spesenreglement; Ansätze pro Land gibt es nicht.
3.Bei Rückkehr am selben Tag fallen keine Übernachtungskosten an; Frühstück und Abendessen richten sich nach SSK-Muster nach Abreise- und Rückkehrzeit.
4.Wie der Wohnsitzstaat die Vergütungen behandelt, richtet sich nach dessen Recht und dem anwendbaren Doppelbesteuerungsabkommen.

01.Gleiche Ansprüche wie Inländer

Art. 327a OR verpflichtet den Arbeitgeber, alle durch die Ausführung der Arbeit notwendig entstehenden Auslagen zu ersetzen. Diese Pflicht gilt unabhängig davon, ob der Mitarbeitende in der Schweiz oder im grenznahen Ausland wohnt.

Auch die Höhe der Verpflegungsentschädigung hängt weder vom Wohnsitz noch vom Reiseland ab. Die ESTV publiziert keine Ansätze pro Land. Für Geschäftsreisen im In- und Ausland gelten die Werte von Rz 52 der Wegleitung oder die Ansätze eines vom Sitzkanton genehmigten Spesenreglements, etwa nach SSK-Muster.

PositionOhne Betragsangabe im Lohnausweis
ÜbernachtungGegen Beleg
Mittag- oder Abendessen effektivIn der Regel höchstens CHF 35
Pauschale für eine HauptmahlzeitHöchstens CHF 30
KundeneinladungenGegen Originalquittung
Bahn, Flug, öffentlicher VerkehrGegen Beleg
PrivatautoHöchstens CHF 0.75 pro km
KleinspesenGegen Beleg oder Tagespauschale bis CHF 20

Werte gemäss Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis 2026 (In- und Ausland)

Spesenvergütungen sind gemäss Wegleitung nicht Bestandteil des Bruttolohns. Ob eine einzelne Vergütung bei quellenbesteuerten Mitarbeitenden als Spesenersatz anerkannt wird, hängt davon ab, ob sie diese Vorgaben bzw. das genehmigte Reglement einhält; im Zweifel entscheidet die kantonale Steuerverwaltung.

Wichtigste Punkte:
Grenzgänger erhalten für Geschäftsreisen dieselben Ansätze wie Mitarbeitende mit Wohnsitz in der Schweiz.
Weder Wohnsitzstaat noch Reiseland bestimmen einen eigenen Ansatz; ESTV-Ansätze pro Land gibt es nicht.
Massgebend sind Rz 52 der Wegleitung oder das genehmigte Spesenreglement.

02.Besonderheit bei Heimkehr am selben Tag

Grenzgänger kehren nach einer Auslandsreise häufig noch am selben Tag zurück, insbesondere bei Reisen in grenznahe Regionen. Dann fallen keine Übernachtungskosten an, und es wird keine Übernachtung vergütet. Für die Verpflegung gibt es keine Stundenschwelle: Vergütet werden die Mahlzeiten, die wegen der Geschäftsreise auswärts anfallen.

MahlzeitVergütet, wenn …Übernachtung
Frühstückdie Geschäftsreise vor 07.30 Uhr beginntKeine
Mittagessenes wegen der Reise auswärts anfälltKeine
Abendessendie Rückkehr nach 19.30 Uhr erfolgtKeine

Tagesreise ohne Übernachtung (Reglement nach SSK-Muster)

Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin mit Wohnsitz in Lörrach (D) reist um 07.00 Uhr von Basel aus geschäftlich nach Lyon und ist um 20.00 Uhr zurück. Mit genehmigtem Reglement nach SSK-Muster werden Frühstück, Mittagessen und Abendessen vergütet, pauschal CHF 15 + CHF 30 + CHF 35 = CHF 80. Ohne Reglement gilt Rz 52: je höchstens CHF 30 für Mittag- und Abendessen. Dauert die Reise nur von 09.00 bis 14.00 Uhr, wird lediglich das Mittagessen vergütet.

Massgebend ist die Geschäftsreise ab dem Arbeitsort. Der Weg vom Wohnort im Ausland zum Arbeitsort in der Schweiz ist Arbeitsweg; Wegvergütungen sind gemäss Wegleitung keine Spesen, sondern gehören zum Bruttolohn.

Wichtigste Punkte:
Bei Heimkehr am selben Tag wird keine Übernachtung vergütet.
Eine Stundenschwelle gibt es nicht; nach SSK-Muster zählen Abreise vor 07.30 Uhr und Rückkehr nach 19.30 Uhr.
Der Arbeitsweg des Grenzgängers ist keine Geschäftsreise.
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03.DBA-Aspekte bei Auslandsreisen

In der Schweiz gelten Spesenvergütungen, welche die Vorgaben von Rz 52 einhalten, nicht als Lohn; im Lohnausweis genügt das Kreuz bei Ziffer 13.1.1. Bei einem genehmigten Spesenreglement wird stattdessen in Ziffer 15 der Genehmigungsvermerk angebracht.

Im Wohnsitzstaat des Grenzgängers kann die Beurteilung anders ausfallen. Die Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und den Nachbarstaaten regeln die Zuweisung des Besteuerungsrechts; wie Spesenvergütungen im Wohnsitzstaat behandelt werden, richtet sich nach dessen Recht.

  • Wohnsitzstaat: Ob und wie der Grenzgänger Vergütungen des Schweizer Arbeitgebers im Wohnsitzstaat deklarieren muss, bestimmt das dortige Steuerrecht. Das kann der Schweizer Arbeitgeber nicht verbindlich beurteilen.
  • Ausländische Pauschalen: Deutsche oder andere ausländische Verpflegungspauschalen gelten für Arbeitgeber im jeweiligen Land, nicht für den Schweizer Arbeitgeber. Er rechnet nach Rz 52 bzw. nach seinem Reglement ab.
  • Klärung: Grenzgänger sollten Fragen zur Deklaration im Wohnsitzstaat mit ihrer Steuerberatung oder der dortigen Steuerbehörde klären.

Für den Schweizer Arbeitgeber ändert sich durch die DBA-Thematik nichts an der Abrechnung. Es empfiehlt sich jedoch, Grenzgänger auf mögliche Deklarationspflichten im Wohnsitzstaat hinzuweisen. Hinweise zu einzelnen Reiseländern finden Sie in der Übersicht der Auslandsspesen nach Land.

Wichtigste Punkte:
In der Schweiz genügt im Rahmen von Rz 52 ein Kreuz bei Ziffer 13.1.1; mit genehmigtem Reglement gilt der Vermerk in Ziffer 15.
Die Behandlung im Wohnsitzstaat richtet sich nach dessen Recht und dem anwendbaren DBA.
Ausländische Pauschalen gelten nicht für den Schweizer Arbeitgeber.

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04.Häufige Fehler

Fehler 1: Ansätze nach Wohnsitzland oder Reiseland wählen

Manche HR-Abteilungen setzen für Grenzgänger Tagessätze des Wohnsitz- oder Reiselands an. Solche Ansätze haben keine Grundlage, denn die ESTV publiziert keine Ansätze pro Land. Massgebend sind Rz 52 und das genehmigte Spesenreglement.

Fehler 2: Übernachtung bei Tagesreise vergüten

Kehrt der Grenzgänger am selben Tag zurück, fallen keine Übernachtungskosten an. Übernachtungen werden gegen Beleg vergütet; eine Übernachtungsentschädigung ohne Übernachtung ist kein Auslagenersatz.

Fehler 3: Mahlzeiten ohne Blick auf die Reisezeiten vergüten

Nach SSK-Muster wird das Frühstück nur bei Abreise vor 07.30 Uhr und das Abendessen nur bei Rückkehr nach 19.30 Uhr oder auswärtiger Übernachtung vergütet. Ohne erfasste Reisezeiten lässt sich das nicht prüfen.

Fehler 4: Arbeitsweg als Geschäftsreise abrechnen

Der tägliche Weg vom Wohnort im Ausland zum Arbeitsort in der Schweiz ist keine Geschäftsreise. Wegvergütungen gehören gemäss Wegleitung zum Bruttolohn.

Fehler 5: Grenzgänger nicht über den Wohnsitzstaat informieren

Auch wenn der Arbeitgeber die Besteuerung im Wohnsitzstaat nicht beurteilen kann, führt fehlende Information zu Unsicherheit. Weisen Sie Grenzgänger schriftlich darauf hin, dass Spesenvergütungen im Wohnsitzstaat anders behandelt werden können.

05.Häufige Fragen

Was gilt, wenn ein Grenzgänger mit Wohnsitz in Deutschland geschäftlich nach Frankreich reist?

Es gelten die Regeln des Schweizer Arbeitgebers: Rz 52 der Wegleitung bzw. das genehmigte Spesenreglement, wie bei jeder anderen Geschäftsreise. Ansätze pro Land gibt es weder für Frankreich noch für Deutschland. Wie Deutschland als Wohnsitzstaat die Vergütungen behandelt, richtet sich nach deutschem Recht.

Muss der Grenzgänger die Spesenvergütungen im Wohnsitzstaat versteuern?

Das richtet sich nach dem Recht des Wohnsitzstaats und dem anwendbaren Doppelbesteuerungsabkommen. Der Schweizer Arbeitgeber kann das nicht verbindlich beurteilen. Grenzgänger sollten die Frage mit ihrer Steuerberatung oder der Steuerbehörde im Wohnsitzstaat klären.

Erhalten Grenzgänger auch die Pauschale von CHF 30 pro Hauptmahlzeit?

Ja, unter denselben Voraussetzungen wie alle Mitarbeitenden: höchstens CHF 30 pro Mittag- oder Abendessen, nicht pro Tag (Rz 52). Das gilt für Reisen im In- und Ausland gleich; höhere Ansätze braucht ein genehmigtes Spesenreglement.

Wie werden Reisezeiten bei Grenzgängern beurteilt?

Eine Stundenschwelle gibt es nicht; massgebend ist, welche Mahlzeiten wegen der Geschäftsreise auswärts anfallen. Nach SSK-Muster zählen die Abreise vor 07.30 Uhr für das Frühstück und die Rückkehr nach 19.30 Uhr für das Abendessen. Der Weg vom Wohnort im Ausland zum Arbeitsort in der Schweiz ist Arbeitsweg und keine Geschäftsreise.

Braucht ein Grenzgänger Belege für die Verpflegungspauschale?

Für Einzelfallpauschalen pro Mahlzeit braucht es keinen Restaurantbeleg. Die Geschäftsreise muss aber nachweisbar sein, etwa durch Reisebestätigung, Kundentermin oder Kalendereintrag, und Abreise- sowie Rückkehrzeit sollten festgehalten werden. Hotel und Tickets werden gegen Beleg vergütet.

Gilt die Kilometerentschädigung von CHF 0.75 auch für Grenzgänger?

Ja, für geschäftliche Fahrten mit dem Privatfahrzeug gelten höchstens CHF 0.75 pro Kilometer (Rz 52, SSK-Muster). Der tägliche Arbeitsweg vom Wohnort zum Arbeitsort ist keine Geschäftsreise; Wegvergütungen gehören gemäss Wegleitung zum Bruttolohn.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
1.Grenzgänger haben gemäss Art. 327a OR denselben Anspruch auf Ersatz der notwendigen Auslagen wie Mitarbeitende mit Wohnsitz in der Schweiz.
2.Es gelten dieselben Ansätze wie für alle: Rz 52 der Wegleitung, etwa höchstens CHF 30 pro Hauptmahlzeit als Pauschale, oder das genehmigte Spesenreglement.
3.Ansätze pro Land gibt es nicht – weder nach Wohnsitzstaat noch nach Reiseland.
4.Bei Heimkehr am selben Tag wird keine Übernachtung vergütet; Frühstück und Abendessen richten sich nach SSK-Muster nach Abreise vor 07.30 Uhr bzw. Rückkehr nach 19.30 Uhr.
5.Der Arbeitsweg des Grenzgängers ist keine Geschäftsreise; Wegvergütungen gehören zum Bruttolohn.
6.Die Behandlung im Wohnsitzstaat richtet sich nach dessen Recht und dem anwendbaren DBA.
7.Grenzgänger sollten aktiv über mögliche steuerliche Konsequenzen im Wohnsitzstaat informiert werden.

06.Weiterführende Artikel