Vorsteuerabzug auf Auslandsspesen: Grundregel, EU-Erstattung und Belege

Definition7 min LesezeitAktualisiert 20. April 2026

Ausländische MWST auf Auslandsbelegen ist in der Schweizer MWST-Abrechnung nicht abzugsfähig – für EU-Staaten gibt es ein separates Erstattungsverfahren mit Jahresfrist 30. September. Diese Unterscheidung ist für KMU mit Geschäftsreisen ins Ausland zentral, denn wer ausländische MWST fälschlicherweise in der Schweizer Deklaration geltend macht, riskiert eine Korrektur durch die ESTV. Die Rückforderung über das EU-Erstattungsverfahren lohnt sich je nach Reisevolumen und Zielland durchaus – erfordert aber eine saubere Belegführung.

Die wichtigsten Infos auf einen Blick
1.Nur Schweizer MWST ist in der Schweizer MWST-Abrechnung als Vorsteuer abzugsfähig – ausländische MWST gehört nicht in die MWST-Deklaration.
2.Für in EU-Ländern bezahlte Mehrwertsteuer existiert ein separates Erstattungsverfahren, das Schweizer Unternehmen nutzen können.
3.Der Erstattungsantrag muss bis spätestens 30. September des Folgejahres beim jeweiligen EU-Staat eingereicht werden.
4.Auslandsbelege sind trotzdem 10 Jahre aufzubewahren – sie dienen als Kostennachweis für die Gewinnsteuer.
5.Die ausländische MWST sollte in der Buchhaltung separat erfasst werden, um die Erstattungsmöglichkeit am Jahresende effizient prüfen zu können.

01.Grundregel: Ausländische MWST ist in der Schweiz nicht abzugsfähig

Das Schweizer Mehrwertsteuergesetz (MWSTG) erlaubt den Vorsteuerabzug ausschliesslich für die inländische Mehrwertsteuer. Konkret bedeutet das: Nur MWST, die von einem Schweizer Leistungserbringer in Rechnung gestellt und an die ESTV abgeführt wird, darf in der Schweizer MWST-Abrechnung als Vorsteuer deklariert werden. Ausländische Mehrwertsteuer – ob deutsche Umsatzsteuer, französische TVA oder italienische IVA – hat in der Schweizer MWST-Deklaration nichts zu suchen.

Ein Beispiel verdeutlicht die Abgrenzung: Ein Zürcher Unternehmen bucht ein Hotel in München für CHF 200 netto zuzüglich 7 % deutsche MWST (EUR 14). Diese EUR 14 dürfen nicht in der Schweizer MWST-Abrechnung als Vorsteuer abgezogen werden. Würde dasselbe Unternehmen ein Hotel in Zürich buchen, wäre die Schweizer MWST von 3,8 % vollständig als Vorsteuer abzugsfähig – vorausgesetzt, eine korrekte Rechnung mit MWST-Nummer liegt vor.

KriteriumInlandsspesen (CH)Auslandsspesen (EU/Drittstaaten)
Vorsteuerabzug in CH-MWST-AbrechnungJa, sofern korrekte Rechnung vorliegtNein, nicht zulässig
Rückforderung der MWSTAutomatisch via MWST-AbrechnungNur über separates Erstattungsverfahren (EU)
Gewinnsteuerlicher AbzugNettobetrag (ohne MWST)Bruttobetrag inkl. ausländischer MWST

Vorsteuerabzug: Inland vs. Ausland

Für die Gewinnsteuer gilt eine andere Logik: Da die ausländische MWST nicht als Vorsteuer abgezogen werden kann, stellt sie einen geschäftsmässig begründeten Aufwand dar. Der Bruttobetrag inklusive ausländischer MWST ist daher als Geschäftsaufwand gewinnsteuerlich abzugsfähig.

Wichtigste Punkte:
Nur Schweizer MWST darf in der Schweizer MWST-Abrechnung als Vorsteuer geltend gemacht werden.
Ausländische MWST auf Auslandsbelegen ist kein Vorsteuerabzug, sondern ein gewinnsteuerlich abzugsfähiger Aufwand.
Die Bruttobuchung inklusive ausländischer MWST ist für die Gewinnsteuer korrekt.

02.Was dennoch möglich ist: EU-Erstattungsverfahren für Schweizer Unternehmen

Obwohl ausländische MWST in der Schweizer Abrechnung nicht abzugsfähig ist, besteht für EU-Länder eine Rückforderungsmöglichkeit. Gestützt auf die EU-Richtlinie 86/560/EWG (sogenannte 13. Richtlinie) können Unternehmen aus Drittstaaten – und damit auch Schweizer Unternehmen – die in einem EU-Mitgliedstaat bezahlte Mehrwertsteuer zurückfordern. Voraussetzung ist, dass der betreffende EU-Staat Schweizer Unternehmen die Erstattung gewährt, was auf die meisten EU-Länder zutrifft.

  • Antragsfrist: Der Erstattungsantrag muss bis spätestens 30. September des auf das Erstattungsjahr folgenden Jahres beim zuständigen Finanzamt des jeweiligen EU-Staates eingereicht werden. Für Spesen aus dem Jahr 2025 ist die Frist also der 30. September 2026.
  • Mindestbeträge: Die meisten EU-Staaten verlangen einen Mindestbetrag pro Antrag. In Deutschland liegt dieser bei EUR 50 pro Kalenderjahr, in Frankreich bei EUR 50, in Italien bei EUR 50. Bei Quartalsanträgen gelten teilweise höhere Schwellen (z. B. EUR 400 in Deutschland).
  • Erstattungsfähige Ausgaben: Typischerweise erstattungsfähig sind Hotelübernachtungen, Messe- und Kongressgebühren, Treibstoff sowie Reparaturkosten. Verpflegung und Bewirtung sind in vielen EU-Staaten ganz oder teilweise von der Erstattung ausgeschlossen.
  • Erforderliche Unterlagen: Originalrechnungen mit ausgewiesener MWST, eine Unternehmerbescheinigung der ESTV (Formular 1222) sowie der ausgefüllte Erstattungsantrag des jeweiligen EU-Staates sind einzureichen.

Für Drittstaaten ausserhalb der EU (z. B. USA, UK seit Brexit, Norwegen) existiert kein standardisiertes Erstattungsverfahren. Ob und wie eine Rückforderung möglich ist, hängt vom jeweiligen Staat ab und ist in der Praxis selten wirtschaftlich sinnvoll.

Wichtigste Punkte:
Schweizer Unternehmen können in EU-Staaten bezahlte MWST über das Erstattungsverfahren zurückfordern.
Die Antragsfrist endet am 30. September des Folgejahres – diese Frist ist nicht erstreckbar.
Originalrechnungen und eine ESTV-Unternehmerbescheinigung (Formular 1222) sind zwingend erforderlich.
Für Drittstaaten ausserhalb der EU gibt es in der Regel kein praktikables Erstattungsverfahren.
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03.Auslandsbelege trotzdem aufbewahren

Auch wenn ausländische MWST in der Schweizer MWST-Abrechnung nicht abzugsfähig ist, müssen Auslandsbelege sorgfältig aufbewahrt werden. Dafür gibt es drei gewichtige Gründe.

  • EU-Erstattungsantrag: Für das Erstattungsverfahren sind Originalrechnungen mit korrekt ausgewiesener MWST zwingend. Ohne Belege ist keine Rückforderung möglich.
  • Gewinnsteuerlicher Kostennachweis: Auslandsspesen sind als geschäftsmässig begründeter Aufwand gewinnsteuerlich abzugsfähig. Die Steuerbehörde kann den Nachweis jederzeit verlangen.
  • Gesetzliche Aufbewahrungspflicht: Gemäss Art. 958f OR gilt die 10-jährige Aufbewahrungspflicht für alle Geschäftsunterlagen – unabhängig davon, ob der Beleg aus dem In- oder Ausland stammt.

Auslandsbelege sollten idealerweise unmittelbar nach der Reise digitalisiert werden. Thermopapier-Quittungen, wie sie an Tankstellen oder in Hotels üblich sind, verblassen oft innerhalb weniger Monate. Eine digitale Kopie sichert den Nachweis für die gesamte Aufbewahrungsfrist.

Wichtigste Punkte:
Auslandsbelege sind für das EU-Erstattungsverfahren, den Gewinnsteuerabzug und die gesetzliche Aufbewahrungspflicht unverzichtbar.
Die 10-jährige Aufbewahrungspflicht nach Art. 958f OR gilt auch für Belege aus dem Ausland.
Thermopapier-Belege sollten sofort digitalisiert werden, da sie schnell verblassen.

04.Praxis-Empfehlung: Ausländische MWST systematisch erfassen

Damit die Erstattungsmöglichkeit nicht ungenutzt bleibt, empfiehlt sich eine systematische Erfassung der ausländischen MWST in der Buchhaltung. Wer ausländische MWST-Beträge nicht separat festhält, verliert am Jahresende den Überblick und verpasst die Antragsfrist.

  • Separate Erfassung: Ausländische MWST auf einem eigenen Konto oder mit einem separaten Steuerschlüssel buchen. So lässt sich am Jahresende per Kontoauszug ermitteln, wie viel ausländische MWST pro Land angefallen ist.
  • Jahresend-Prüfung: Spätestens im ersten Quartal des Folgejahres prüfen, ob die aufgelaufenen Beträge pro EU-Land die Mindestgrenzen für einen Erstattungsantrag erreichen.
  • Spezialist beiziehen: Für KMU mit regelmässigen EU-Reisen (ab ca. 10–15 Reisen pro Jahr oder Erstattungsbeträgen über EUR 500) lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem auf MWST-Erstattung spezialisierten Dienstleister. Diese übernehmen den gesamten Antragsprozess gegen eine erfolgsabhängige Gebühr.

Ein Rechenbeispiel: Ein KMU mit vier Mitarbeitenden, die jeweils 8 Mal pro Jahr nach Deutschland reisen und dort durchschnittlich EUR 150 für Hotel und EUR 60 für Treibstoff ausgeben, zahlt jährlich rund EUR 1'200 an deutscher MWST (19 % auf Hotel, 19 % auf Treibstoff). Bei einer Erstattungsquote von 100 % auf Hotelkosten und Treibstoff ergibt das eine Rückerstattung von über EUR 1'000 – ein Betrag, der den Aufwand für den Antrag rechtfertigt.

Wichtigste Punkte:
Ausländische MWST sollte in der Buchhaltung separat erfasst werden, um die Erstattungsmöglichkeit systematisch zu nutzen.
Die Jahresend-Prüfung der aufgelaufenen Beträge pro EU-Land verhindert, dass die Antragsfrist verpasst wird.
Ab einem jährlichen Erstattungspotenzial von rund EUR 500 lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dienstleister.

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05.Häufige Fehler

Fehler 1: Ausländische MWST in der Schweizer MWST-Abrechnung deklariert

Wer ausländische MWST als Vorsteuer in der Schweizer MWST-Abrechnung geltend macht, riskiert eine Korrektur durch die ESTV bei der nächsten Kontrolle. Die zu Unrecht abgezogene Vorsteuer wird nachbelastet, zuzüglich Verzugszins. Ausländische MWST muss konsequent von der Schweizer Vorsteuer getrennt werden.

Fehler 2: Antragsfrist 30. September verpasst

Die Frist für das EU-Erstattungsverfahren ist nicht erstreckbar. Wer den 30. September des Folgejahres verpasst, verliert den Anspruch auf Rückerstattung unwiderruflich. Eine Erinnerung im Kalender für spätestens August ist empfehlenswert, damit genügend Zeit für die Zusammenstellung der Unterlagen bleibt.

Fehler 3: Originalbelege nicht aufbewahrt oder unleserlich

Das EU-Erstattungsverfahren verlangt in der Regel Originalrechnungen. Verblasste Thermopapier-Belege oder fehlende Rechnungen führen zur Ablehnung des Antrags. Belege sollten unmittelbar nach der Reise digitalisiert und die Originale sicher archiviert werden.

Fehler 4: Keine Unternehmerbescheinigung der ESTV eingeholt

Für den Erstattungsantrag ist eine aktuelle Unternehmerbescheinigung der ESTV (Formular 1222) erforderlich, die bestätigt, dass das Unternehmen in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtig ist. Ohne dieses Dokument wird der Antrag vom ausländischen Finanzamt nicht bearbeitet. Die Bescheinigung kann bei der ESTV beantragt werden und ist in der Regel 12 Monate gültig.

Fehler 5: Ausländische MWST nicht separat verbucht

Wird die ausländische MWST nicht getrennt erfasst, ist am Jahresende unklar, welche Beträge pro Land angefallen sind. Die Prüfung, ob sich ein Erstattungsantrag lohnt, wird damit unverhältnismässig aufwendig. Ein separater Steuerschlüssel oder ein eigenes Konto pro Land schafft Transparenz.

06.Häufige Fragen

Lohnt sich das EU-Erstattungsverfahren, wenn ich nur 3–4 Mal pro Jahr ins Ausland reise?

Das hängt von den angefallenen Beträgen ab. Bei 3–4 Reisen mit Hotelübernachtungen in Deutschland fallen typischerweise EUR 100–200 an erstattungsfähiger MWST an. Da der Mindestbetrag in den meisten EU-Staaten bei EUR 50 pro Jahr liegt, ist ein Antrag grundsätzlich möglich. Ob sich der administrative Aufwand lohnt, muss individuell abgewogen werden – bei Eigenabwicklung ist der Aufwand überschaubar, bei Beauftragung eines Dienstleisters fällt eine Gebühr von typischerweise 15–25 % des Erstattungsbetrags an.

Kann ich deutsche Umsatzsteuer auf Hotelrechnungen in der Schweiz als Vorsteuer abziehen?

Nein, deutsche Umsatzsteuer darf nicht in der Schweizer MWST-Abrechnung als Vorsteuer geltend gemacht werden. Die Rückforderung ist ausschliesslich über das deutsche Erstattungsverfahren möglich. Der Antrag ist beim Bundeszentralamt für Steuern in Bonn einzureichen, Frist ist der 30. September des Folgejahres.

Welche EU-Länder erstatten Schweizer Unternehmen die MWST?

Die meisten EU-Mitgliedstaaten gewähren Schweizer Unternehmen die MWST-Erstattung auf Basis der 13. EU-Richtlinie. Dazu gehören unter anderem Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien, Spanien und die Niederlande. Die erstattungsfähigen Ausgabenkategorien und Mindestbeträge variieren jedoch von Land zu Land. Eine aktuelle Länderliste führt die ESTV auf ihrer Website.

Muss ich für das EU-Erstattungsverfahren in der Schweiz MWST-pflichtig sein?

Ja, die MWST-Pflicht in der Schweiz ist eine Grundvoraussetzung. Der Nachweis erfolgt über die Unternehmerbescheinigung der ESTV (Formular 1222). Unternehmen, die von der MWST-Pflicht befreit sind (z. B. wegen Umsatz unter CHF 100'000), können das Erstattungsverfahren nicht nutzen.

Wie verbuche ich ausländische MWST korrekt in der Schweizer Buchhaltung?

Die ausländische MWST wird als Teil des Aufwands verbucht – also brutto. Es empfiehlt sich, einen separaten Steuerschlüssel oder ein eigenes Konto für ausländische MWST zu verwenden. So lässt sich am Jahresende schnell ermitteln, ob ein Erstattungsantrag sinnvoll ist. In der Schweizer MWST-Abrechnung taucht der Betrag nicht auf.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
1.Ausländische MWST auf Auslandsbelegen ist in der Schweizer MWST-Abrechnung nicht als Vorsteuer abzugsfähig – nur Schweizer MWST darf deklariert werden.
2.Für in EU-Staaten bezahlte Mehrwertsteuer können Schweizer Unternehmen über das EU-Erstattungsverfahren (13. EU-Richtlinie) eine Rückerstattung beantragen.
3.Die Antragsfrist für das EU-Erstattungsverfahren endet am 30. September des Folgejahres und ist nicht erstreckbar.
4.Für den Antrag sind Originalrechnungen mit ausgewiesener MWST und eine Unternehmerbescheinigung der ESTV (Formular 1222) erforderlich.
5.Auslandsbelege unterliegen der 10-jährigen Aufbewahrungspflicht nach Art. 958f OR und dienen als Kostennachweis für die Gewinnsteuer.
6.Die ausländische MWST sollte in der Buchhaltung separat erfasst werden, um die Erstattungsmöglichkeit am Jahresende systematisch prüfen zu können.
7.Ab einem jährlichen Erstattungspotenzial von rund EUR 500 kann die Beauftragung eines spezialisierten Dienstleisters wirtschaftlich sinnvoll sein.
8.Für Drittstaaten ausserhalb der EU existiert in der Regel kein praktikables Erstattungsverfahren.

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