Übernachtungsspesen Österreich: MWST, Spesenregeln, Rückerstattung
Österreichische Hotelrechnungen (10 % MWST) sind betrieblich abzugsfähig – kein Schweizer Vorsteuerabzug; Übernachtungen werden effektiv gegen Beleg vergütet, eine ESTV-Pauschale für Österreich gibt es nicht; die MWST ist im österreichischen Erstattungsverfahren rückforderbar. Für Schweizer KMU, die regelmässig Mitarbeitende nach Österreich entsenden, lohnt sich ein genauer Blick auf die steuerliche Behandlung der Übernachtungskosten. Dieser Artikel erklärt die Regeln für Hotelrechnungen, Spesenreglement, Aufbewahrung und MWST-Rückerstattung.
01.Österreichische Hotelrechnungen
Hotels in Österreich verrechnen auf Beherbergungsleistungen den ermässigten Mehrwertsteuersatz von 10 %. Ein ortsübliches Frühstück, das im Zimmerpreis enthalten ist, gilt als Nebenleistung und wird ebenfalls mit 10 % besteuert; andere Zusatzleistungen wie Minibar-Getränke können dem Normalsatz von 20 % unterliegen. Für Schweizer Unternehmen ist entscheidend, dass es sich um eine ausländische Steuer handelt.
- Kein Schweizer Vorsteuerabzug: Die österreichische MWST ist keine Schweizer Steuer. Ein Vorsteuerabzug nach Art. 28 MWSTG ist daher ausgeschlossen. Die 10 % verbleiben zunächst als Kostenfaktor.
- Betrieblicher Abzug: Die gesamte Hotelrechnung inklusive österreichischer MWST ist als geschäftsmässig begründeter Aufwand gewinnsteuerlich abzugsfähig. Die Steuer wird als Teil der Übernachtungskosten verbucht.
- Rechnung mit MWST-Ausweis verlangen: Lassen Sie sich stets eine Rechnung mit separat ausgewiesener österreichischer MWST ausstellen. Nur so kann später eine Rückerstattung beantragt werden. Kreditkartenbelege allein genügen nicht.
Gemäss Art. 327a OR hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer alle durch die Ausführung der Arbeit notwendig entstehenden Auslagen zu ersetzen. Dazu gehören auch Übernachtungskosten bei Dienstreisen nach Österreich. Die Erstattung erfolgt gegen Beleg (effektive Kosten); Einzelheiten wie die Hotelkategorie regelt das Spesenreglement.
02.Keine ESTV-Pauschale für Übernachtungen in Österreich
Die ESTV publiziert keine Länderansätze für Übernachtungen oder Verpflegung im Ausland. Nach Rz 52 der Wegleitung zum Ausfüllen des Lohnausweises werden Übernachtungen gegen Beleg vergütet – im Inland wie im Ausland. Das SSK-Muster-Spesenreglement sieht ein Hotel der Mittelklasse vor, effektiv gegen Originalbeleg. Eine Übersicht für weitere Länder bietet die Seite Auslandsspesen nach Land.
Übernachtung bei Dienstreisen nach Österreich (ESTV-Wegleitung 2026, Rz 52; SSK-Muster-Spesenreglement)
Wer höhere oder andere Ansätze vergüten will, braucht ein vom Sitzkanton genehmigtes Spesenreglement. Pauschalen für Zeitabschnitte, etwa monatliche Pauschalen, sind immer betragsmässig im Lohnausweis unter Ziffer 13.2 anzugeben. Bei effektiver Abrechnung sind die Hotelkosten vollumfänglich erstattungsfähig, sofern sie geschäftsmässig begründet und angemessen sind.
Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter übernachtet drei Nächte in Salzburg in einem Hotel für EUR 110 pro Nacht. Er reicht die Hotelrechnung ein, und der Arbeitgeber erstattet die effektiven EUR 330 – steuerfrei, da belegbasiert und geschäftsmässig begründet. Eine Pauschale ohne Beleg ist dafür nicht vorgesehen.
Übernachtungsspesen für Auslanddienstreisen digital abrechnen mit der Spesen App → Spesenbelege erfassen, einreichen, prüfen und freigeben.
Mehr erfahren →03.Umrechnung und Aufbewahrung
Österreichische Hotelrechnungen lauten auf Euro. Für die Verbuchung in der Schweizer Buchhaltung muss der Betrag in CHF umgerechnet werden. Die ESTV akzeptiert den monatlichen Durchschnittskurs EUR/CHF, den sie selbst publiziert. Alternativ kann der Tageskurs am Rechnungsdatum verwendet werden, sofern das Unternehmen diese Methode konsistent anwendet.
- ESTV-Monatsmittelkurs: Die ESTV veröffentlicht monatlich Durchschnittskurse für gängige Währungen. Der Monatsmittelkurs ist eine einfache, nachvollziehbare Methode, wenn das Spesenreglement ihn vorsieht.
- Tageskurs: Wer den Tageskurs am Rechnungsdatum verwendet, muss dies durchgehend tun. Ein Wechsel zwischen Tages- und Monatskurs innerhalb eines Geschäftsjahres ist nicht zulässig.
- Kreditkartenkurs: Bei Kartenzahlung entspricht die Erstattung an den Mitarbeitenden in der Regel dem belasteten CHF-Betrag. Welche Methode gilt, legt das Spesenreglement fest.
Die Aufbewahrungspflicht für Geschäftsbelege beträgt gemäss Art. 958f OR zehn Jahre ab Ende des Geschäftsjahres. Das gilt auch für ausländische Hotelrechnungen. Ein GeBÜV-konformer Scan (unveränderbar, vollständig, lesbar) ersetzt das Papieroriginal. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen ein dokumentiertes Digitalisierungsverfahren führt und die Integrität der Daten sicherstellt. Für die österreichische Vorsteuererstattung müssen die Originalrechnungen jedoch dem Antrag beigelegt werden.
04.MWST-Rückerstattung
Schweizer Unternehmen können die auf österreichischen Hotelrechnungen ausgewiesene MWST im Vorsteuererstattungsverfahren für Drittlandsunternehmen zurückfordern. Es handelt sich um ein Papierverfahren direkt beim Finanzamt Österreich, Dienststelle Graz-Stadt. Das elektronische Verfahren über ein Portal des Heimatstaats gilt nur für EU-Unternehmen. Quelle: Unternehmensserviceportal usp.gv.at, «Vorsteuererstattungsverfahren», Stand 1.1.2026.
MWST-Rückerstattung Österreich: Eckdaten (Quelle: usp.gv.at, Stand 1.1.2026)
Für den Antrag benötigt das Schweizer Unternehmen eine Unternehmerbestätigung der Schweizer Steuerbehörde, die die ESTV ausstellt. Sie muss im Original beiliegen, darf höchstens ein Jahr alt sein und ist vergleichbar mit dem österreichischen Formular U 70. Rechnungen sind ebenfalls im Original einzureichen; Kopien werden nicht anerkannt.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Effekt: Bei jährlichen Hotelkosten von EUR 5 000 netto in Österreich beträgt die rückforderbare MWST EUR 500. Damit ist der Mindestbetrag erreicht; abzüglich allfälliger Gebühren eines Dienstleisters lohnt sich der Antrag für Unternehmen mit regelmässigen Österreich-Reisen. Planen Sie die Rückerstattung systematisch ein.
05.Häufige Fehler
Fehler 1: Kreditkartenbeleg statt Originalrechnung einreichen
Ein Kreditkartenbeleg weist weder die österreichische MWST separat aus noch enthält er die für eine Rückerstattung nötigen Angaben. Ohne ordentliche Hotelrechnung mit MWST-Ausweis ist weder die Rückerstattung noch eine saubere Verbuchung möglich. Verlangen Sie beim Check-out immer eine vollständige Rechnung.
Fehler 2: Schweizer Vorsteuerabzug auf österreichischer MWST geltend machen
Die österreichische MWST ist keine Schweizer Steuer und kann nicht als Vorsteuer in der Schweizer MWST-Abrechnung abgezogen werden. Wer dies trotzdem tut, riskiert eine Nachforderung bei der nächsten MWST-Revision. Der korrekte Weg ist das Erstattungsverfahren für Drittlandsunternehmen direkt in Österreich.
Fehler 3: Übernachtungspauschale ohne Grundlage auszahlen
Für Übernachtungen in Österreich gibt es keine ESTV-Pauschale. Zahlt der Arbeitgeber dennoch Pauschalen ohne genehmigtes Reglement, erfüllt er die Vorgaben von Rz 52 nicht und muss die vergüteten Spesen im Lohnausweis betragsmässig angeben. Rechnen Sie Übernachtungen effektiv gegen Beleg ab oder lassen Sie Pauschalen im Reglement genehmigen.
Fehler 4: Frist für MWST-Rückerstattung verpassen
Der Antrag auf Rückerstattung der österreichischen MWST muss bis spätestens 30. Juni des Folgejahres eingereicht werden. Diese Frist ist nicht erstreckbar. Wer sie verpasst, verliert den Anspruch auf Rückerstattung endgültig. Tragen Sie die Frist fest in den Finanzkalender ein.
Fehler 5: Umrechnungsmethode innerhalb des Geschäftsjahres wechseln
Wer im Januar den ESTV-Monatsmittelkurs und im März den Tageskurs verwendet, verstösst gegen das Prinzip der Stetigkeit. Die Steuerverwaltung kann die gesamte Fremdwährungsverbuchung beanstanden. Legen Sie die Methode zu Jahresbeginn fest und wenden Sie sie durchgehend an.
06.Häufige Fragen
Muss die österreichische MWST auf der Hotelrechnung separat ausgewiesen sein?
Für die Rückerstattung braucht es eine Rechnung, auf der die österreichische MWST ausgewiesen ist, und zwar im Original – Kopien anerkennt das Finanzamt Österreich, Dienststelle Graz-Stadt, nicht. Bitten Sie das Hotel beim Check-out um eine vollständige Rechnung und bewahren Sie das Original für den Antrag auf.
Gibt es für Übernachtungen in Österreich eine Pauschale?
Grundsätzlich nein. Übernachtungskosten werden gemäss Rz 52 der Wegleitung und SSK-Muster-Spesenreglement effektiv gegen Beleg vergütet. Das SSK-Muster kennt eine Pauschale nur für private Übernachtungen (CHF 60 für ein Geschenk, alternativ effektiv bis CHF 80). Was im Einzelfall gilt, legt das Spesenreglement fest.
Wie lange dauert die MWST-Rückerstattung aus Österreich?
Eine Bearbeitungsdauer für Anträge aus Drittländern nennt das Unternehmensserviceportal (usp.gv.at) nicht. Fehlende oder unvollständige Unterlagen können die Bearbeitung verzögern oder zur Ablehnung führen. Reichen Sie den Antrag deshalb vollständig und rechtzeitig vor der Frist am 30. Juni des Folgejahres ein.
Wie werden Airbnb-Übernachtungen in Österreich abgerechnet?
Wie jede Übernachtung: effektiv gegen Beleg. Eine ESTV-Pauschale für Übernachtungen in Österreich gibt es nicht, auch nicht für Airbnb. Als Beleg dient die Rechnung bzw. Buchungsbestätigung der Plattform; ob solche Unterkünfte zulässig sind, regelt das Spesenreglement.
Was passiert, wenn das Hotel kein Frühstück separat ausweist?
Ein ortsübliches Frühstück, dessen Preis im Beherbergungsentgelt enthalten ist, gilt in Österreich als Nebenleistung der Beherbergung und unterliegt ebenfalls dem ermässigten Satz von 10 % (§ 10 UStG 1994). Für die Spesenabrechnung gilt: Ist das Frühstück im Hotelpreis inbegriffen, wird es nach SSK-Muster nicht zusätzlich vergütet.
Wer stellt die Unternehmerbestätigung für den Antrag in Österreich aus?
Die ESTV stellt Schweizer Unternehmen eine Unternehmerbestätigung für Anträge im Ausland aus; welche Voraussetzungen sie dafür verlangt, klären Sie direkt mit der ESTV. Österreich verlangt die Bestätigung im Original, höchstens ein Jahr alt und vergleichbar mit dem österreichischen Formular U 70.