MWST auf Auslands-Verpflegungspauschalen: VSt-Abzug, Erstattung im Ausland und Praxis

Definition6 min LesezeitAktualisiert 29. Oktober 2026

Auf Auslands-Verpflegungspauschalen ist kein Schweizer Vorsteuerabzug möglich. Ausländische Mehrwertsteuer auf effektiven Belegen lässt sich nur im jeweiligen Land und nach dessen Verfahren zurückfordern – ein einheitliches Verfahren für Schweizer Firmen gibt es nicht. Für Schweizer KMU mit regelmässigen Geschäftsreisen stellt sich damit die Frage, ob sich der Aufwand einer Rückforderung lohnt oder ob die Pauschale die einfachere Lösung bleibt. Diese Seite erklärt die MWST-Behandlung beider Varianten und gibt eine praxistaugliche Entscheidungshilfe.

Die wichtigsten Infos auf einen Blick
1.Auf Auslands-Verpflegungspauschalen fällt keine Schweizer MWST an, weshalb kein Vorsteuerabzug möglich ist.
2.Auch ausländische MWST auf Restaurantbelegen ist in der Schweizer MWST-Abrechnung nicht als Vorsteuer abziehbar.
3.Ausländische MWST kann nur im jeweiligen Land nach dessen Verfahren zurückgefordert werden; die ESTV ist dafür nicht zuständig.
4.In Österreich gilt für Schweizer Firmen ein Papierverfahren mit Frist 30. Juni des Folgejahres; das EU-Verfahren mit Frist 30. September gilt nur für EU-Unternehmen.

01.Kein CH-Vorsteuerabzug auf Auslandspauschalen

Der Vorsteuerabzug nach Art. 28 MWSTG setzt voraus, dass eine inländische Steuer in Rechnung gestellt wurde. Bei Auslands-Verpflegungspauschalen fehlt diese Voraussetzung gleich doppelt: Erstens handelt es sich um Pauschalbeträge ohne Einzelbeleg, zweitens fällt auf Verpflegungsleistungen im Ausland keine Schweizer MWST an. Ein Vorsteuerabzug ist deshalb ausgeschlossen.

  • Pauschalspesen ohne Beleg: Verpflegungspauschalen werden ohne Einzelnachweis ausbezahlt. Ohne MWST-konforme Rechnung im Sinne von Art. 26 MWSTG ist kein Vorsteuerabzug möglich – unabhängig davon, ob die Mahlzeit im In- oder Ausland eingenommen wurde.
  • Ausländische Restaurantbelege: Selbst wenn Mitarbeitende Effektivbelege aus dem Ausland einreichen, weisen diese ausländische Mehrwertsteuer aus. Diese Steuer ist in der Schweizer MWST-Abrechnung nicht als Vorsteuer abziehbar.
  • Buchhalterische Konsequenz: Auslands-Verpflegungspauschalen werden brutto als Personalaufwand verbucht, ohne Vorsteueranteil und mit MWST-Code «ohne VSt».

Für die Schweizer MWST-Abrechnung spielt es also keine Rolle, ob ein Unternehmen Pauschalen oder Effektivbelege aus dem Ausland verwendet. Der Unterschied liegt einzig darin, dass sich ausländische Steuer auf Originalbelegen allenfalls im jeweiligen Land zurückfordern lässt.

Wichtigste Punkte:
Auf Auslands-Verpflegungspauschalen ist kein Schweizer Vorsteuerabzug möglich, da keine inländische MWST anfällt.
Auch ausländische Restaurantbelege berechtigen nicht zum Vorsteuerabzug in der Schweizer MWST-Abrechnung.
Die Verbuchung erfolgt brutto als Personalaufwand ohne Vorsteuer.

02.Erstattung ausländischer MWST: nur im jeweiligen Land

Ausländische Mehrwertsteuer kann ein Schweizer Unternehmen nur im jeweiligen Land und nach dessen Verfahren zurückfordern. Die ESTV ist dafür nicht zuständig, stellt aber eine Unternehmensbescheinigung aus, die ausländische Behörden für den Antrag verlangen können. Das elektronische Verfahren über das Portal des Ansässigkeitsstaats mit Frist 30. September gilt nur für EU-Unternehmen – nicht für Schweizer Firmen und nicht über das ESTV-Portal.

KriteriumAnforderung
VerfahrenPapierverfahren; Antragsformular U 5 an das Finanzamt Österreich – Dienststelle Graz-Stadt
ErstantragZusätzlich Fragebogen Verf 18
UnternehmerbestätigungBestätigung der Schweizer Steuerbehörde im Original, höchstens ein Jahr alt (vergleichbar Formular U 70)
BelegeOriginalrechnungen; Kopien werden nicht anerkannt
FristBis 30. Juni des Folgejahres zur Post gegeben; nicht verlängerbar
MindestbetragEUR 400; für ein ganzes Kalenderjahr oder den letzten Zeitraum eines Jahres EUR 50
ErstattungszeitraumMindestens drei volle Kalendermonate, höchstens ein Kalenderjahr
AusschlussKraftstoffbezüge nach dem 14. Jänner 2021
FiskalvertreterNicht vorgesehen

Beispiel Österreich: Vorsteuererstattung für Schweizer Unternehmen (Stand 1.1.2026)

Quelle der österreichischen Eckdaten ist das Unternehmensserviceportal (usp.gv.at). Details und Ablauf erklärt der Beitrag zur MWST-Rückerstattung in Österreich; für Frankreich gelten eigene Regeln, siehe die Frankreich-Seite.

Wichtig: Die ESTV-Gegenrechtsliste (Formular 1224_01) betrifft die Erstattung schweizerischer MWST an ausländische Firmen. Für Anträge von Schweizer Firmen im Ausland ist sie nicht massgebend.

Wichtigste Punkte:
Ausländische MWST lässt sich nur im jeweiligen Land nach dessen Verfahren zurückfordern; die ESTV stellt dafür eine Unternehmensbescheinigung aus.
In Österreich gilt für Schweizer Firmen ein Papierverfahren mit Frist 30. Juni des Folgejahres und Originalrechnungen.
Das EU-Verfahren mit Frist 30. September gilt nur für EU-Unternehmen; die ESTV-Gegenrechtsliste betrifft ausländische Firmen in der Schweiz.
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03.Praxis-Empfehlung: Pauschale oder Effektivbeleg?

Die Entscheidung zwischen Pauschale und Effektivbeleg hängt vom Reisevolumen und vom administrativen Aufwand ab. Für die meisten Schweizer KMU ist die Verpflegungspauschale die effizientere Lösung: Sie erfordert keine Einzelbelege und vereinfacht die Abrechnung. Im Rahmen von Rz 52 der Wegleitung – höchstens CHF 30 pro Hauptmahlzeit – genügt im Lohnausweis ein Kreuz bei Ziffer 13.1.1.

KriteriumVerpflegungspauschaleEffektivbeleg
CH-VorsteuerabzugNeinNein
Erstattung ausländischer MWSTNicht möglich (kein Beleg)Allenfalls im jeweiligen Land nach dessen Verfahren
Administrativer AufwandGering (keine Belege nötig)Höher (Originalbelege sammeln, Antrag stellen)
Lohnausweis ohne Betragsangabe (Rz 52)Bis CHF 30 pro HauptmahlzeitIn der Regel bis CHF 35 pro Hauptmahlzeit
Empfohlen beiWenigen bis mittleren AuslandsreisenVielen Reisen in dasselbe Land mit erstattungsfähigen Kosten

Vergleich: Pauschale vs. Effektivbeleg bei Auslandsreisen

Eine Rückforderung lohnt sich erst, wenn pro Land genügend erstattungsfähige Steuer zusammenkommt. In Österreich etwa liegt der Mindestbetrag bei EUR 400, für ein ganzes Kalenderjahr oder den letzten Zeitraum eines Jahres bei EUR 50; dazu kommen Formular, Unternehmerbestätigung und Originalrechnungen. Für ein KMU mit gelegentlichen Auslandsreisen übersteigt der Aufwand den Nutzen oft.

Unternehmen mit hohem Reiseaufkommen in ein bestimmtes Land können hingegen profitieren. Dann empfiehlt es sich, Originalrechnungen systematisch zu sammeln und die Bedingungen des betreffenden Landes frühzeitig zu prüfen. Eine Übersicht nach Reiseländern bietet die Seite Auslandsspesen nach Land.

Wichtigste Punkte:
Für die meisten KMU ist die Verpflegungspauschale die effizientere Lösung, da der CH-Vorsteuerabzug ohnehin entfällt.
Eine Rückforderung ausländischer MWST lohnt sich erst ab einem relevanten Belegvolumen pro Land.
Wer zurückfordern will, braucht Originalrechnungen und muss die Bedingungen des jeweiligen Landes einhalten.

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04.Häufige Fehler

Fehler 1: Vorsteuerabzug auf ausländischen Restaurantbelegen in der CH-Abrechnung

Manche Buchhalter erfassen ausländische Restaurantbelege mit einem Schweizer MWST-Code und ziehen Vorsteuer ab. Das ist unzulässig, da ausländische MWST in der Schweiz nicht als Vorsteuer abziehbar ist. Bei einer MWST-Kontrolle wird der Abzug korrigiert.

Fehler 2: Erstattungsantrag mit Kopien oder Pauschalabrechnungen

Ausländische Behörden verlangen in der Regel Originalrechnungen mit ausgewiesener Steuer; Österreich etwa anerkennt Kopien nicht. Interne Pauschalabrechnungen enthalten keine ausländische Steuer und können nicht erstattet werden.

Fehler 3: Mit der Frist des EU-Verfahrens planen

Die Frist 30. September gilt für das elektronische Verfahren von EU-Unternehmen. Schweizer Firmen müssen die Frist des jeweiligen Landes einhalten, in Österreich etwa den 30. Juni des Folgejahres, der nicht verlängerbar ist.

Fehler 4: ESTV-Gegenrechtsliste falsch verstehen

Die ESTV-Gegenrechtsliste (Formular 1224_01) regelt die Erstattung schweizerischer MWST an ausländische Firmen. Sie sagt nichts darüber aus, ob ein Schweizer Unternehmen im Ausland eine Erstattung erhält.

Fehler 5: Antrag über die ESTV einreichen wollen

Die ESTV ist für die Erstattung ausländischer MWST nicht zuständig, und ein Antrag über das ESTV-Portal ist nicht möglich. Der Antrag geht direkt an die Behörde des jeweiligen Landes; die ESTV stellt nur die Unternehmensbescheinigung aus.

05.Häufige Fragen

Soll ich für Paris-Dienstreisen die Pauschale oder Effektivbelege wählen?

Bei gelegentlichen Reisen ist die Pauschale meist die einfachere Lösung. Die französische TVA lässt sich nur in Frankreich nach dem dortigen Verfahren zurückfordern; die Einzelheiten stehen auf der Frankreich-Seite. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt vom Belegvolumen ab.

Kann ich ausländische MWST in jedem Land zurückfordern?

Ob und wie ausländische MWST erstattet wird, bestimmt jedes Land selbst. Ein einheitliches Verfahren für Schweizer Firmen gibt es nicht, auch nicht innerhalb der EU: Das elektronische EU-Verfahren mit Frist 30. September steht nur EU-Unternehmen offen. Prüfen Sie die Bedingungen im jeweiligen Land.

Was braucht mein Unternehmen für einen Erstattungsantrag im Ausland?

Die Voraussetzungen legt das jeweilige Land fest. Österreich verlangt zum Beispiel das Formular U 5, Originalrechnungen und eine Unternehmerbestätigung der Schweizer Steuerbehörde im Original, höchstens ein Jahr alt. Die ESTV ist für die Erstattung nicht zuständig, stellt aber eine solche Unternehmensbescheinigung aus.

Wie verbuche ich eine Auslands-Verpflegungspauschale korrekt?

Die Pauschale wird brutto als Personalaufwand auf dem Spesenkonto gemäss Kontenplan verbucht. Ein Vorsteueranteil wird nicht ausgeschieden, da weder Schweizer MWST anfällt noch ausländische MWST abziehbar ist. Die detaillierte Buchungsanleitung finden Sie im Artikel zur Buchhaltung von Auslands-Verpflegungspauschalen.

Gilt die Verpflegungspauschale von CHF 30 auch für Auslandsreisen?

Ja. Die CHF 30 gemäss Rz 52 der Wegleitung gelten pro Hauptmahlzeit und für In- und Auslandsreisen gleich; ESTV-Ansätze pro Land gibt es nicht. Höhere Ansätze für das Ausland sind nur mit einem vom Sitzkanton genehmigten Spesenreglement möglich.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
1.Auf Auslands-Verpflegungspauschalen ist kein Schweizer Vorsteuerabzug möglich, da keine inländische MWST anfällt (Art. 28 MWSTG).
2.Ausländische MWST auf Restaurantbelegen ist in der Schweizer MWST-Abrechnung nicht als Vorsteuer abziehbar.
3.Ausländische MWST lässt sich nur im jeweiligen Land nach dessen Verfahren zurückfordern; die ESTV stellt dafür eine Unternehmensbescheinigung aus.
4.In Österreich gilt für Schweizer Firmen ein Papierverfahren mit Formular U 5, Originalrechnungen und Frist 30. Juni des Folgejahres.
5.Das elektronische EU-Verfahren mit Frist 30. September gilt nur für EU-Unternehmen.
6.Die ESTV-Gegenrechtsliste betrifft die Erstattung schweizerischer MWST an ausländische Firmen, nicht Anträge von Schweizer Firmen im Ausland.
7.Für die meisten KMU mit gelegentlichen Auslandsreisen ist die Verpflegungspauschale die effizientere Lösung.

06.Weiterführende Artikel

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Auslands-Verpflegungspauschalen im Lohnausweis: Rz 52 eingehalten = Kreuz bei 13.1.1; genehmigtes Reglement = Vermerk Ziffer 15; Monatspauschalen 13.2.
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