Reisekosten Deutschland: Steuerfreiheit, AHV und DBA-Regeln

Definition7 min LesezeitAktualisiert 29. Oktober 2026

Reisekosten Deutschland im ESTV-Rahmen sind für den AN steuerfrei und AHV-befreit – DBA CH-DE: bei unter 183 Aufenthaltstagen hat die Schweiz das Besteuerungsrecht. Für Schweizer KMU, die regelmässig Mitarbeitende nach Deutschland entsenden, ist die korrekte steuerliche Einordnung dieser Kosten entscheidend. Dieser Artikel erklärt die steuerliche Behandlung auf Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite sowie die relevanten Bestimmungen des Doppelbesteuerungsabkommens CH-DE.

Die wichtigsten Infos auf einen Blick
1.Reisekosten nach Deutschland sind für Arbeitnehmende Spesenersatz und kein Lohn, solange sie im Rahmen von Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis oder eines genehmigten Spesenreglements bleiben.
2.Der Arbeitgeber kann sämtliche Reisekosten als Personalaufwand vollumfänglich vom steuerbaren Gewinn abziehen.
3.Das Doppelbesteuerungsabkommen CH-DE weist bei Kurzaufenthalten unter 183 Tagen pro Kalenderjahr das Besteuerungsrecht der Schweiz zu.
4.Übersteigen die Spesen die Vorgaben von Rz 52 und fehlt ein genehmigtes Reglement, sind sie im Lohnausweis betragsmässig anzugeben; ob ein Teil als Lohn gilt, beurteilt die Steuerbehörde.

01.Steuerfreiheit für Arbeitnehmende

Gemäss Art. 327a OR hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmenden alle durch die Ausführung der Arbeit notwendig entstehenden Auslagen zu ersetzen. Für Geschäftsreisen nach Deutschland gelten dieselben Werte wie im Inland: Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis unterscheidet nicht zwischen In- und Auslandsreisen, eigene ESTV-Ansätze für Deutschland gibt es nicht. Spesenvergütungen in diesem Rahmen sind nicht Bestandteil des Bruttolohns.

KostenartAnsatzBedingung
Verpflegung (Mittag-/Abendessen)Bis CHF 30.– pro HauptmahlzeitPauschale nach Rz 52; Abendessen gemäss SSK-Muster bei auswärtiger Übernachtung oder Rückkehr nach 19.30 Uhr
ÜbernachtungEffektive KostenMit Beleg; Hotel der mittleren Kategorie
Kilometerpauschale PrivatfahrzeugCHF 0.75 pro kmAb 1.1.2026; bereits genehmigte Reglemente mit CHF 0.70 bleiben gültig
Kleinspesen (Tagespauschale)CHF 20.– pro TagOhne Beleg, für Nebenauslagen wie Trinkgelder oder Gepäck

Ansätze nach Rz 52 für Geschäftsreisen nach Deutschland (2026)

Halten sich die Vergütungen an alle Vorgaben von Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis, genügt ein Kreuz bei Ziffer 13.1.1; sind sie nicht erfüllt oder liegt kein genehmigtes Spesenreglement vor, sind die effektiv vergüteten Spesen betragsmässig anzugeben (Rz 53). Mit genehmigtem Spesenreglement sind nur die Pauschalspesen betragsmässig in Ziffer 13.2 anzugeben, und in Ziffer 15 ist der Genehmigungsvermerk anzubringen. Einen Überblick über die Regeln in weiteren Ländern bietet die Seite Auslandsspesen nach Land.

Werden die Vorgaben von Rz 52 überschritten, ohne dass ein genehmigtes Reglement die höheren Ansätze abdeckt, sind die effektiv vergüteten Spesen im Lohnausweis betragsmässig anzugeben (Rz 53); ob ein Teil als Lohn gilt, beurteilt die Steuerbehörde. Ein Beispiel: Vergütet ein Unternehmen für ein Abendessen in München CHF 55.– gegen Beleg, liegt das über dem Richtwert von in der Regel CHF 35.–; ohne genehmigtes Reglement ist der Betrag deklarationspflichtig.

Wichtigste Punkte:
Reisekosten nach Deutschland sind Spesenersatz und kein Lohn, wenn sie im Rahmen von Rz 52 oder eines genehmigten Spesenreglements bleiben.
Bei Einhaltung von Rz 52 genügt ein Kreuz bei Ziffer 13.1.1; Pauschalspesen für Zeitabschnitte stehen betragsmässig in Ziffer 13.2.
Werden die Vorgaben von Rz 52 ohne genehmigtes Reglement überschritten, sind die Spesen betragsmässig zu deklarieren.

02.Steuerliche Behandlung beim Arbeitgeber

Für den Arbeitgeber stellen Reisekosten nach Deutschland geschäftsmässig begründeten Aufwand dar. Sämtliche Spesen, die im Rahmen der ESTV-Ansätze oder auf Basis eines genehmigten Spesenreglements ausbezahlt werden, sind als Personalaufwand vollumfänglich vom steuerbaren Gewinn abzugsfähig. Dies gilt sowohl für effektive Kostenerstattungen mit Beleg als auch für Pauschalentschädigungen innerhalb der zulässigen Limiten.

  • Personalaufwand: Reisekosten, Verpflegungspauschalen und Übernachtungskosten werden in der Erfolgsrechnung als Personalaufwand oder Reisespesen verbucht und mindern den steuerbaren Gewinn.
  • Vorsteuerabzug: Bei MWST-pflichtigen Unternehmen ist der Vorsteuerabzug auf deutschen Hotelrechnungen und Verpflegungskosten nur möglich, wenn eine korrekte Rechnung mit Schweizer MWST vorliegt. Deutsche Umsatzsteuer kann nicht als Vorsteuer in der Schweiz geltend gemacht werden.
  • Dokumentationspflicht: Der Arbeitgeber muss die geschäftliche Notwendigkeit der Reise nachweisen können. Reisezweck, Datum, Ort und beteiligte Personen sind zu dokumentieren. Bei Pauschalspesen genügt das genehmigte Spesenreglement als Nachweis.

Aus Sicht des Doppelbesteuerungsabkommens CH-DE ist entscheidend, dass der Arbeitgeber seinen Sitz in der Schweiz hat und die Reisekosten nicht von einer deutschen Betriebsstätte getragen werden. Solange diese Voraussetzung erfüllt ist und der Mitarbeitende sich weniger als 183 Tage pro Kalenderjahr in Deutschland aufhält, bleibt das Besteuerungsrecht vollständig bei der Schweiz. Für den Arbeitgeber bedeutet dies: keine Lohnsteuerabführungspflicht in Deutschland.

Wichtigste Punkte:
Reisekosten nach Deutschland sind für den Arbeitgeber als Personalaufwand vollumfänglich vom steuerbaren Gewinn abzugsfähig.
Deutsche Umsatzsteuer kann in der Schweiz nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden.
Bei Kurzaufenthalten unter 183 Tagen besteht keine Lohnsteuerabführungspflicht in Deutschland.
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03.Doppelbesteuerungsabkommen CH-DE: 183-Tage-Regel

Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland (DBA CH-DE) regelt, welcher Staat das Besteuerungsrecht auf Einkünfte aus unselbständiger Arbeit hat. Für Geschäftsreisen nach Deutschland ist Artikel 15 des DBA massgebend. Grundsätzlich gilt: Einkünfte aus unselbständiger Arbeit werden im Ansässigkeitsstaat besteuert, es sei denn, die Arbeit wird im anderen Staat ausgeübt.

VoraussetzungErläuterung
Aufenthalt unter 183 TagenDer Arbeitnehmende hält sich innerhalb eines Kalenderjahres weniger als 183 Tage in Deutschland auf.
Schweizer Arbeitgeber zahlt VergütungDie Vergütung wird von einem Arbeitgeber gezahlt, der nicht in Deutschland ansässig ist.
Keine deutsche BetriebsstätteDie Vergütung wird nicht von einer Betriebsstätte oder festen Einrichtung des Arbeitgebers in Deutschland getragen.

183-Tage-Regel: Voraussetzungen für Schweizer Besteuerungsrecht

Sind alle drei Voraussetzungen kumulativ erfüllt, hat Deutschland kein Besteuerungsrecht auf die Einkünfte des Arbeitnehmenden. Die Schweiz besteuert das gesamte Einkommen, und die Reisekosten im ESTV-Rahmen bleiben in beiden Ländern steuerfrei. Für typische KMU-Geschäftsreisen nach Deutschland — etwa Kundenbesuche, Messeteilnahmen oder Projektmeetings — ist die 183-Tage-Grenze in der Praxis selten ein Problem.

Wird die 183-Tage-Grenze überschritten, erhält Deutschland ein Besteuerungsrecht auf den anteiligen Arbeitslohn für die in Deutschland verbrachten Arbeitstage. Der Arbeitgeber muss in diesem Fall eine Lohnsteueranmeldung in Deutschland vornehmen. Die Schweiz rechnet die deutsche Steuer im Rahmen des DBA an, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden. Bei absehbarer Überschreitung der 183-Tage-Grenze empfiehlt sich eine frühzeitige Abklärung mit einem auf internationales Steuerrecht spezialisierten Berater.

Wichtig: Die 183-Tage-Regel zählt jeden Tag, an dem der Arbeitnehmende physisch in Deutschland anwesend ist — auch An- und Abreisetage, Wochenenden und Feiertage während eines Aufenthalts. Einzelne Tagesreisen ohne Übernachtung zählen ebenfalls mit. Eine sorgfältige Erfassung der Reisetage ist daher unerlässlich.

Wichtigste Punkte:
Bei Kurzaufenthalten unter 183 Tagen pro Kalenderjahr hat die Schweiz das alleinige Besteuerungsrecht.
Alle drei Voraussetzungen der 183-Tage-Regel müssen kumulativ erfüllt sein.
An- und Abreisetage sowie Wochenenden während eines Aufenthalts zählen bei der 183-Tage-Berechnung mit.
Bei Überschreitung der 183-Tage-Grenze muss der Arbeitgeber eine Lohnsteueranmeldung in Deutschland vornehmen.

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04.Häufige Fehler

Fehler 1: 183-Tage-Grenze nicht systematisch überwacht

Viele KMU erfassen Geschäftsreisen nach Deutschland ohne Bezug zur 183-Tage-Regel. Wird die Grenze unbemerkt überschritten, drohen Nachforderungen der deutschen Finanzverwaltung inklusive Verzugszinsen. Führen Sie ein laufendes Tage-Tracking pro Mitarbeitenden und Kalenderjahr.

Fehler 2: Schweizer Ansätze mit deutschen Pauschalen verwechselt

Deutschland kennt eigene Verpflegungsmehraufwandspauschalen (EUR 14 bzw. EUR 28 nach § 9 Abs. 4a EStG), die für Schweizer Arbeitgeber nicht massgebend sind. Massgebend sind Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis und das Spesenreglement. Die Anwendung deutscher Pauschalen führt zu fehlerhaften Abrechnungen.

Fehler 3: Überschreitende Spesen nicht deklariert

Werden Spesen über den Vorgaben von Rz 52 vergütet, ohne dass ein genehmigtes Reglement sie abdeckt, und trotzdem nur ein Kreuz bei Ziffer 13.1.1 gesetzt, ist der Lohnausweis falsch. Bei einer Revision kann die Steuerverwaltung Nachsteuern erheben. Geben Sie solche Spesen betragsmässig an.

Fehler 4: Deutsche Umsatzsteuer als Vorsteuer abgezogen

Die auf deutschen Hotel- und Restaurantrechnungen ausgewiesene Umsatzsteuer kann in der Schweizer MWST-Abrechnung nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden. Ein solcher Abzug wird bei der MWST-Kontrolle beanstandet und nachbelastet. Verbuchen Sie den Bruttobetrag als Aufwand.

Fehler 5: Fehlende Dokumentation des Reisezwecks

Ohne Nachweis der geschäftlichen Notwendigkeit können Steuerbehörden die Abzugsfähigkeit der Reisekosten beim Arbeitgeber und die Steuerfreiheit beim Arbeitnehmenden in Frage stellen. Halten Sie Reisezweck, Datum, Ort und beteiligte Geschäftspartner systematisch fest.

05.Häufige Fragen

Was passiert, wenn ein Mitarbeitender über 183 Tage in Deutschland arbeitet?

Bei Überschreitung der 183-Tage-Grenze erhält Deutschland das Besteuerungsrecht auf den anteiligen Arbeitslohn für die dort verbrachten Arbeitstage. Der Schweizer Arbeitgeber muss eine Lohnsteueranmeldung in Deutschland vornehmen. Die Schweiz rechnet die in Deutschland gezahlte Steuer an, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden. Eine frühzeitige Beratung durch einen Steuerexperten ist in diesem Fall dringend empfohlen.

Gelten für Reisen nach Deutschland andere Spesensätze als für Inlandreisen?

Nein. Die Werte nach Rz 52 der Wegleitung zum Lohnausweis unterscheiden nicht zwischen Inland- und Auslandreisen. Die Pauschale von höchstens CHF 30.– pro Hauptmahlzeit und die Kleinspesen von bis zu CHF 20.– pro Tag gelten gleichermassen für Geschäftsreisen nach Deutschland. Massgebend ist das Spesenreglement des Unternehmens.

Muss ich als Arbeitgeber für Tagesreisen nach Deutschland ohne Übernachtung etwas Besonderes beachten?

Steuerlich gelten dieselben ESTV-Ansätze wie bei mehrtägigen Reisen. Auch Tagesreisen zählen bei der 183-Tage-Berechnung mit, selbst wenn keine Übernachtung stattfindet. Dokumentieren Sie jede Tagesreise mit Datum und Reisezweck, damit die Aufenthaltstage nachvollziehbar sind.

Können Reisekosten nach Deutschland auch ohne genehmigtes Spesenreglement steuerfrei erstattet werden?

Ja. Halten sich die Vergütungen an Rz 52 (z. B. Übernachtung gegen Beleg, Pauschale bis CHF 30.– pro Hauptmahlzeit), genügt im Lohnausweis ein Kreuz bei Ziffer 13.1.1 – auch ohne genehmigtes Reglement. Werden die Vorgaben nicht eingehalten, sind die effektiv vergüteten Spesen betragsmässig anzugeben. Höhere Ansätze setzen ein vom Sitzkanton genehmigtes Spesenreglement voraus.

Wie werden Übernachtungskosten in Deutschland steuerlich behandelt?

Übernachtungskosten werden auf Basis der effektiven Kosten mit Beleg erstattet. Es gibt keine Pauschale für Übernachtungen. Die Kosten müssen geschäftlich begründet und angemessen sein — ein Hotel der mittleren Kategorie gilt als Massstab. Der Arbeitgeber kann den Gesamtbetrag als Personalaufwand abziehen.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
1.Reisekosten nach Deutschland sind Spesenersatz und kein Lohn, wenn sie im Rahmen von Rz 52 bleiben (z. B. Pauschale bis CHF 30.– pro Hauptmahlzeit, CHF 0.75/km) oder auf einem genehmigten Spesenreglement beruhen.
2.Im Lohnausweis genügt bei Einhaltung von Rz 52 ein Kreuz bei Ziffer 13.1.1; Pauschalspesen für Zeitabschnitte stehen betragsmässig in Ziffer 13.2.
3.Werden die Vorgaben von Rz 52 ohne genehmigtes Reglement überschritten, sind die Spesen im Lohnausweis betragsmässig anzugeben.
4.Der Arbeitgeber kann sämtliche Reisekosten im ESTV-Rahmen als Personalaufwand vollumfänglich vom steuerbaren Gewinn abziehen.
5.Das DBA CH-DE sichert bei Kurzaufenthalten unter 183 Tagen pro Kalenderjahr das alleinige Besteuerungsrecht der Schweiz.
6.Alle drei Voraussetzungen der 183-Tage-Regel — Aufenthaltsdauer, Schweizer Arbeitgeber, keine deutsche Betriebsstätte — müssen kumulativ erfüllt sein.
7.Bei Überschreitung der 183-Tage-Grenze muss der Arbeitgeber eine Lohnsteueranmeldung in Deutschland vornehmen, wobei die Schweiz die deutsche Steuer anrechnet.
8.Eine systematische Erfassung aller Reisetage nach Deutschland ist unerlässlich, da auch An-/Abreisetage und Wochenenden bei der 183-Tage-Berechnung mitzählen.

06.Weiterführende Artikel

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